FC St. Pauli – Stehplatz-Adel und andere Armleuchter

Moin Moin, St. Pauli – hier kommt ein Rant-Reply 😉

Jeder von uns hat mindestens eine “Bezugsgruppe” im Stadion, von der er weiß, wo er sie im Zweifel findet. Das geht mir auch so. Insgesamt sind es drei, wobei ich mich mit den Jungs vom Podcast derzeit meist in der zugigen Ecke zwischen Nord und Gegengeraden treffe. Auch da ist es bei attraktiven Spielen voll. Und auch da gibt es diese unangenehme Art St. Paulianer, über die “Philex 99” jüngst ein Video gemacht hat. Dieser Blog/Podcast ist ein Reply – inkl. einer persönlichen Anekdote.

Das Problem heißt Arschloch-Attitude

Ich gehe seit über 30 Jahren zum FC St. Pauli und kann euch berichten, auch Dir Phil, das Problem mit den “Fans” mit eingebauter Vorfahrt gibts nicht nur auf der Gegengeraden (obwohl mal interessant wäre zu erfahren, ob die SUV-Verbreitung und die “Hier stehen wir schon immer”-Attitude korreliert?). Meine kleine Geschichte spielt auf der Nord. Deswegen würde ich sagen: das Problem haben wir überall dort, wo alte weiße Männer auf Stehrängen sich einfinden. Wohl der einzige Grund, warum es ähnliches nicht von der Haupt zu berichten gibt 😉

Bundesligasaison 2010/2011 – Nordkurve

Nach dem vorletzten Aufstieg im Frühjahr 2010 wurde es auf der alten Nord in meiner Wahrnehmung noch enger, als dieses Mal auf der neuen. Ich hatte damals gerade keine Dauerkarte und stellte mich, wie viele St. Paulianer:innen mitten in der Nacht bei jedem Wetter vor das Ticketcenter, um Karten zu ergattern. Meist Nord – die Gegengerade war damals schon eine Art closed shop.

Mit der Twitter Crowd traf ich mich dann, wie eigentlich immer seit 30 Jahren, mindestens 90 Minuten vor Anpfiff in der Ecke zur Gegengeraden. Meist war um diese Zeit noch viel Platz – eng wurde es erst später.

Zum ersten Heimspiel des Jahres 2011 gegen den SC Freiburg, das später wegen des stadionweiten Jolly Rouge in die Vereinsgeschichte eingehen sollte, wurde es besonders voll.

Neben mir stand ein Mitte 40 Jahre alter Mann in Kutte, der gerade einem anderen erklärte, dass er hier nicht stehen könne. Da kämen noch zehn!

Wie sich herausstellte, hatte der so angeschnauzte sein Ticket für 100 EUR auf einem illegalen Zweitmarkt erworben, war das erste Mal am Millerntor; weswegen er sich anschickte, kleinlaut der rüden Anweisung zu folgen.

Nix da, intervenierte ich; wer zuerst kommt, steht zuerst. Besetzen gibt es am Millerntor nicht. (Zusammenkuscheln schon, aber das ist eine anderes Mindset).

“Wir stehen schon seit der Regionalliga hier”

“Wir stehen schon seit der Regionalliga hier”, erklärte sich der Mann nun mir gegenüber. Als ob das ein Recht begründet, andere von den Stehtarversen zu mobben. “So?”, antwortete ich ruhig, “da hab ich dich gar nicht gesehen”.

Vielleicht lag es daran, dass ich (für diejenigen, die mich nicht kennen) damals noch so aussah, als wäre es keine gute Idee, meine Überzeugungen herauszufordern. (Heute wäre ich gespannt, was passierte, würde man das “Awareness Team” des FCSP beauftragen, das Problem zum Ausgang zu begleiten?).

Inzwischen trafen einige seiner Freunde ein, es wurde geschubst und gemeckert, aber am Ende gab die Truppe nach und verzog sich unter Abgesang schmutziger Lieder nach unten. (Dort pöbelten sie dann die Kinder am Zaun an, dass sie nix sehen könnten – aber das ist eine andere Geschichte, unterstreicht aber vielleicht, wie asozial diese Typen sind).

Es gibt kein Recht auf denselben Stehplatz. Ende der Diskussion!

Es wäre schön, wenn auch der Verein dies mal klarstellen würde: es gibt kein Recht auf eine private Ecke im Stadion. Und dabei ist es unerheblich, wie lange man dort schon steht oder wieviele echte oder imaginierte Verdienste man um diesen Verein hat. Punkt!

(Die organisierten Supportblöcke auf der GG, Nord und Süd würde ich hier ausnehmen – aber da sind sowieso alle 2h vorm Anpfiff da in der Regel)

Wer mit seiner Gruppe an einem bestimmten Platz stehen möchte, der kommt 90 Minuten vor Anpfiff, wie wir alle. Besetzen ist wirklich wie Handtücher abends auf Liegen verteilen; es ist so erbärmlich wie unstpaulianisch. Mir sind bisher nur alte weiße Männer mit Agenturhintergrund negativ aufgefallen, was einem gewissen Muster folgt.

“Das ruckelt sich schon zurecht”

Auch ich war mal neu am Millerntor. Auch ich habe Platz gemacht, wenn jemand verbal oder anders mit zeigte, dass er hier stehen will/darf/muss. Aber ich habe auch – und überwiegend – andere Erfahrungen gemacht.

“Das ruckelt sich schon zurecht”, sagte mir einer mal auf der alten Gegengeraden, “nach dem ersten Tor steht hier sowieso keiner mehr an dem Platz, an dem er vorher stand”.

Zusammenrücken statt Besetzen, darauf können wir uns doch bitte einigen, oder muss ich erst laut werden?

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