Die wertvollsten Vereine der Welt, von Real Madrid bis Bayern München, vereinen Kapital von knapp acht Milliarden USD in einen Klub. Zusammen kompilieren die ersten vier knapp dreißig Milliarden zu einer Marktmacht, die unbezwingbar ist. Frei nach Franz Beckenbauer: es tut mir leid für den Rest der Welt, diese werden auf Jahre hinaus unschlagbar sein.
Warum die Strategien so vieler Klubs einfach nicht mehr hinhauen: die Teufel schietern auf den dicksten Haufen.
Keine sportliche Strategie, sei sie noch so ausgefeilt und nachhaltig, kommt gegen das “Zuscheißen mit Kohle” an.
Und wenn wir uns als Fußballfans nicht an die seltenen Anomalien der Wahrscheinlichkeit klammern wollen, müssen wir unsere Strategie ändern.
Nur Kultur, nur POPkultur kann in einer oligopolisierten Welt helfen.
Beim FC St. Pauli scheint mir die “Plattformstrategie”, je sportlich erfolgreicher desto sichtbarer, ebenfalls gescheitert. Ob der FCSP absteigt oder nicht, ist keine strategische Frage und für den „Erfolg“ letztlich fast egal.
Wichtig werden kulturelle Planken und Ideen, die sich durch den Verein in das Team durchwirken. Da kann man mehr von Walt Disney oder Star Trek lernen als von Pep Guardiola.
Meine Gedankenstrichliste für eine Neuausrichtung:
- Konsequente Jugendstrategie: eifern wir denen nach, die es vormachen. Benfica Lissabon oder auch Atletico Bilbao. Oder einst Ajax Amsterdam. Klarer Fokus auf langfristige Bindung von Talenten, die bleiben, weil sie sich identifizieren UND spielen!
- Klassenkampf statt Klassehalten: der Tabellenstand sollte dabei egal sein. Nur durch eine stringente Strategie kann man dem Abnutzungskampf von immer mehr Invest und immer weniger Ertrag durchbrechen. Ganz praktisch: solange Alex Blessin die immer selben aufstellen muss, halb kaputt getreten und halb überspielt, weil die Strategie fehlt, mal junges und anderes auszuprobieren, werden wir beides verlieren, die Klasse und den Kampf.
- Go International: die Marke St. Pauli ist schon längst international, nur spiegelt sich das im verschnarchten und gemütlichen Verein vom Kiez nicht wieder. Das Potenzial zu Zukunft und Wachstum liegt nicht in Hamburg (oder im von vielen Alt-Ultras inzwischen bewohnten Speckgürtel) — St. Paulis Zukunft liegt in Athen, Minneapolis, Argentinien. Überall dort, wo Menschen sich gegen den politischen Mainstream wehren.
- Partizipation statt Gekunkel. Ein gewisser ewiger Vorsitzender wollte mir mal die Schnauze polieren, weil ich ihn höflich bat, darüber nachzudenken, was passiert, wenn dieimmergleichen eine Organisation leiten. Filz. Das kann nicht nur die SPD in Hamburg. Mitglieder, die Souveräne dieses Vereins, sollten barrierefrei und remote ihre Stimmen abgeben können. Was bei der Genossenschaft im eigenen Haus geht und recht ist, sollte beim FCSP billig sein.
- A pros pos Genossenschaft: Wir haben hier ein Vehikel, das mehr kann als Geld zum Schuldendienst zu organisieren. Bisher fehlt hier jegliche Vision. Dabei könnte sie dabei helfen, alles oben genannte zu finanzieren und zu administrieren.
- The future is female: Wo bleibt eigentlich die Strategie für einen weiblichen Profifußball unter dem Jolly Roger?
OK, das war jetzt viel. Liest sich wie eine Themenliste für meinen Popcast — und ist auch eine ;).
Diskutiert mit, widerlegt mich. Quo Vadis, St. Pauli? Eine Frage, die ich lange nicht mehr …


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